Die Welt in der wir leben

 

Es gibt nur eine reale Welt. Das ist die Welt, in der die Naturgesetze gelten und in der sich unsere Erde um die Sonne bewegt. Wir Menschen sind wie alle Lebewesen Teil dieser Welt, dieser Natur. Auch für unsere Körper gelten uneingeschränkt die Naturgesetze.

Es gibt aber noch eine andere Welt, in der die Naturgesetze nicht gelten. Das ist die Welt in unserem Bewusstsein. Über den Zusammenhang von Bewusstsein(Geist) und Körper ist schon immer viel diskutiert worden, ohne ein überzeugendes Ergebnis zu erhalten.

 Heute wird allgemein anerkannt, dass alle Lebewesen – also auch der Mensch – ein Ergebnis der biologischen Evolutíon sind. Tiere müssen sich in ihrer Umgebung bewegen. So haben sich Bewegungsorgane (Muskeln) und ein Organ zur Steuerung und Kontrolle der Bewegungen(Gehirn) entwickelt.as Gehirn ist heute eine strukturelle  und funktionelle Einheit aus Nervensystem, Sinnesorganen, Gedächtnis und Bewusstsein.

Es hatte und hat die Aufgabe, die Bewegungen des ganzen Organismus zu steuern und zu kontrollieren.  Differenziertere Reaktionen auf Umweltreize waren gegenüber einfachen Reflexen ein wesentlicher Vorteil beim Überleben.

 Die Gehirnforschung hat mit naturwissenschaftlichen Methoden bereits beachtliche Erfolge bei der Klärung der quantitativen stofflichen und energetischen Vorgänge im Gehirn erzielt. Sie hat aber kaum eine Aussicht, das qualitative(ideelle) Bewusstsein ergründen zu können. Aussichtsreicher ist es, dis Frage zu beantworten, auf welche Weise das Gehirn mit seinen Funktionen zur Entwicklung der Wirbel- und der Säugetiere durch Verbesserung der Überlebenschancen beigetragen hat.

Die wichtigste Aufgabe erfüllen die Sinnesorgane. Sie senden Signale aus der realen Welt an das Gehirn und stellen somit eine Verbindung zur Umgebung her. Damit diese Signale genutzt werden können, müssen sie bewertet werden. Das geschieht  durch das Bewusstsein, welches ja auch die Verhaltensentscheidung treffen muss. Durch die Bewertung entstehen aus den Signalen Informationen.

Nach den Sinnesorganen ist das Gedächtnis von grundlegender Bedeutung. Nur was im Gedächtnis gespeichert ist, kann später wieder erkannt und verwertet werden. Jede Lernfähigkeit setzt ein Gedächtnis voraus. Gespeichert werden aber nicht die Signale der Sinnesorgane, sondern deren Bewertungen also Informationen. Das Gehirn ist dabei der Informationsträger.  Auch die Signale aus dem eigenen Körper  spielen als Emotionen bei der Bewertung von Umweltsignalen und Verhaltensentscheidungen eine wichtige Rolle.

 Die im Gedächtnis gespeicherten Informationen überschneiden und ergänzen sich, so dass im Laufe des individuellen Lebens  ein Abbild  der Umgebung also des eigenen Lebensraumes entsteht. Da diese Informationen bewertet wurden, ist dieses individuelle Weltbild auch nicht identisch mit der realen Welt. Die Übereinstimmung ist nur teilweise korrekt, oft aber ungenau oder falsch. Ursache dafür sind die Maßstäbe bei der Bewertung der von den Sinnesorganen gelieferten Umweltreize. Bewertungen setzen Maßstäbe oder Kriterien voraus. Diese sind in der biologischen Entwicklung bereits im Erbgut als Lebens- und Überlebenstrieb festgeschrieben worden. Sie werden aber im individuellen Leben durch eigene Erfahrungen variiert und  ergänzt.

 Diese Maßstäbe sind auch entscheidend bei der Bewertung von Verhaltensentscheidungen in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation. Sie prägen insgesamt die Individualität eines Lebewesens. Beim Menschen charakterisieren sie die Persönlichkeit.

 Im Unterschied zu den Tieren kann der Mensch seine individuellen Erfahrungen mit Hilfe der Sprache durch Informationen von der übrigen Welt ergänzen. Das im Gedächtnis gespeicherte Abbild der Umwelt  und die Möglichkeiten des Denkens werden damit wesentlich erweitert. Die Sinnesorgane liefern ständig alte und neue Reize aus der realen Welt. Dadurch werden die gespeicherten Informationen aufgefrischt und ergänzt. Überschneidungen ergeben im Gedächtnis Assoziationen, die beim Abrufen von Gedächtnisinhalten von Bedeutung sind. Das Bewusstsein muss ununterbrochen die Umweltreize der Sinnesorgane bewerten und in das individuelle Weltbild einordnen. Gespeichert werden aber nicht nur Fakten, sondern überwiegend Vorgänge und Ereignisabläufe. Von deren Folgerichtigkeit in der realen Welt eine Logik des Denkens abgeleitet wurde. Mit dieser Logik und den individuellen Erfahrungen wurde auch eine Abschätzung der Wirkungen des eigenen Handelns möglich.

 Das Denken ist direkt oder indirekt immer auf die eigenen Verhaltensentscheidungen gerichtet.  Dazu werden Gedächtnisinhalte durch Assoziationen aufgerufen. Die Möglichkeiten und Auswirkungen von Verhaltensvarianten werden durchdacht und es werden die erforderlichen subjektiv besten Entscheidungen getroffen. Alles geschieht in der ideellen, qualitativen Sphäre der Informationen, die durch subjektive Bewertungen entstanden sind. Irrtümer, Ungenauigkeiten und Fehler sind möglich. Wie wir uns auch verhalten, mit unseren Aktivitäten nehmen wir Einfluss auf das Geschehen in der realen Welt. Dabei können wir die Naturgesetze nicht umgehen. Wir können sie aber zu unserem Vorteil nutzen, wenn wir sie verstehen.

Was in der realen Welt geschieht, erfahren wir nur durch unsere Sinnesorgane. Wir erleben unser Leben also nur in der individuellen Welt des Bewusstseins. Gerät unsere ideelle Welt in Konflikt mit der realen Welt, so setzt diese sich zwangsläufig durch. Konflikte mit den inneren Welten anderer Menschen sind nicht so einfach zu lösen. Regeln des sozialen Zusammenlebens sind erforderlich, können aber müssen nicht beachtet werden.  Die größten Chancen für ein konfliktfreies Zusammenleben bestehen dort, wo die positiven Wertmaßstäbe weitgehend übereinstimmen. Struktur und Organisation der menschlichen Gesellschaft beeinflussen maßgeblich die Bildung von Wertmaßstäben vor allem der jungen Menschen.

Diese kurzen Ausführungen sollen das Wesentliche der Vorgänge in unserem Bewusstsein deutlich machen. Ergänzende Details können aus der Psychologie widerspruchsfrei eingefügt werden. Konkrete Schlussfolgerungen sind naheliegend, werden aber abhängig von den eigenen Bewertungsmaßstäben unterschiedlich ausfallen.

Gerd Blankenstein 2008