Kausalität und Determiniertheit

Kausalität

  die, Philosophie: das Vorliegen eines (gesetzmäßigen) Wirkungszusammenhangs zwischen Ereignissen beziehungsweise Erscheinungen in der Weise, dass ein Ereignis A unter bestimmten Bedingungen ein Ereignis B (mit Notwendigkeit) hervorbringt (verursacht), wobei die Ursache A der Wirkung B zeitlich vorausgeht und B niemals eintritt, ohne dass vorher A eingetreten ist.

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

Ursache,

  allgemein das, was einen Gegenstand oder ein Ereignis (die Wirkung) hervorbringt und von dem aus diese Wirkung erklärt werden kann. (Causa, Kausalität, Satz vom zureichenden Grund)    (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007    

Für das Verständnis der Kausalität ist entscheidend, dass die Wirkung einer Ursache von „bestimmten Bedingungen“ abhängig ist. Das Ausgangsereignis – der Anlass – ist also nur die halbe Ursache. Alles was geschieht, erfolgt immer in einem Umfeld von Bedingungen, die konstant bleiben können, jedoch meistens sich selbst ständig verändern. Bei gleichem Anlass erhält man also abhängig von den Bedingungen auch unterschiedliche Wirkungen. Für jeden experimentierenden Forscher ist das eine Selbstverständlichkeit. Die Untersuchung  gesetzmäßiger Zusammenhänge erfordert stets gleiche und konstante Bedingungen. In der Natur sind die Umweltbedingungen aber selbst Teil der kausalen Wechselwirkungen, die sich  unterschiedlich schnell oder langsam ereignen und somit auch für ständige Veränderungen sorgen.

Als Ursache ist also eine Ursachensituation mit variablen Bedingungen anzusehen, während gegenwärtig meist nur der auslösende Anlass als Ursache bezeichnet wird.

Alle Ursachensituationen sind selbst  das Ergebnis  vorausgegangener  kausaler Wechselwirkungsprozesse und die Wirkungen sind wieder die Ursache für weitere Vorgänge.

In der Natur geschehen viele Folgen von kausalen Ereignissen gleichzeitig, die sich durch Änderung der Bedingungen gegenseitig beeinflussen. Deshalb können einzelne Prozesse nur dann   eindeutig  zu bestimmten Ergebnissen kommen, wenn die Bedingungen  gleich und konstant bleiben.

Das zukünftige Geschehen ist also nicht vorhersehbar und schon gar nicht berechenbar. Wenn bei der Ziehung der Lottozahlen in einer sich drehenden Trommel 49 mit Zahlen versehene aber sonst völlig gleiche Kugeln  gemischt werden, dann erfolgt die Bewegung jeder einzelnen Kugel kausal nach den physikalischen Gesetzen. Welche Zahl schließlich gezogen wird, ist aber doch rein zufällig.

 

Ereignisfolgen, die einem Algorithmus folgen, bleiben nur solange determiniert, bis die Umgebungsbedingungen störend in das Geschehen eingreifen. Beispiele sind mechanische Automaten und elektronische Geräte, insbesondere Computer.

Von besonderem Interesse sind die determinierten Vorgänge im biologischen Bereich.

In einem Vogelei kann sich ein lebensfähiges Küken  als Folge komplizierter Wechselwirkungsprozesse zwischen den Bestandteilen des Eis  und den Nukleinsäuren der Samenzelle entwickeln. Gesteuert wird dieser Vorgang von der Struktur der Nukleinsäure. Wichtigste  Bedingung ist eine Umgebungstemperatur  von etwa 37 Grad,  wodurch dem Ei die erforderliche Energie zugeführt werden kann. Der Entwicklungsvorgang im Ei verläuft determiniert, aber nur so lange keine störenden Einflüsse von außen wirksam werden. Wenn das Ei aus dem Nest fällt oder von einem Nesträuber gefressen wird, ist Schluss mit der Determiniertheit.

Ähnliche Vorgänge beobachten wir bei allen  tierischen und pflanzlichen Samen. Die Entwicklungs- und Wachstumsprozesse verlaufen determiniert solange die Umgebungsbedingungen günstig sind.

Ein Samen, der in einen tierischen Verdauungstrakt gelangt, unterliegt ganz anderen Wechselwirkungsprozessen, und seine Nukleinsäuren können ihre Wirkung nicht entfalten.

 

Die determinierten  Entwicklungs- und Wachstumsprozesse in der Biologie werden in Verlauf und Richtung von der Struktur der Nukleinsäuren  gesteuert, natürlich in Wechselwirkung mit anderen organischen Molekülen  und deren Struktur, Dabei spielen vor allem die Proteine mit ihren enzymatischen Wirkungen eine besondere Rolle. Diese Vorgänge benötigen relativ wenig Energie, die sie aus der Umgebung beziehen. Pflanzliche Wachstumsprozesse  verwerten mit der Fotosynthese das Sonnenlicht.

 

Im Vergleich dazu werden bei physikalischen Prozessen die Richtung und Ergebnisse der Wechselwirkungen  überwiegend von den  mitwirkenden Energien, sowie Vektoren und Gradienten bestimmt. Auch hier werden die kausalen Wirkungen von den variablen Umgebungsbedingungen beeinflusst., so dass die Ergebnisse nur bedingt vorhersehbar sind.

Die Wettervorhersage ist wie alle Prognosen um so unsicherer, je weiter man der Zeit vorgreift..

Kausalität gibt es bei allen stofflichen und energetischen Wechselwirkungen;   Determiniertheit ist nur dann zeitlich und örtlich begrenzt möglich, wenn alle wesentlichen  Einflußbedingungen unverändert bleiben.


   

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