Meine realistische Weltanschauung

 

Grundsätzliches:

 1. Es gibt nur eine Natur, die alles Existierende umfaßt einschließlich aller Formen des Lebens

2. In der Natur gibt es eine ständige Bewegung und Veränderung durch Wechselwirkungen.  Dabei gelten überall die gleichen Regeln und Gesetze.

3. Alles was geschieht, geschieht in einem kausalen Zusammenhang.

Es gibt keine Wirkung ohne Ursache.

4. Es gibt also auch nichts Übernatürliches, was die Bewegungen und Veränderungen beeinflußt oder gar lenkt.

5. Bei der Vielzahl der ablaufenden Prozesse ändern sich  die Bedingungen wegen der gegenseitigen Beeinflussung ständig, so daß es keinen allgemeinen Determinismus geben kann. Determiniertheit gibt es nur bei Vorgängen, deren Bedingungen konstant bleiben, z. B. bei Automaten und Computern. Die weitere Entwicklung ist offen.

 

Entwicklung:

 

Unsere Erde ist ein offenes System, d.h. sie erhält ständig neue Energie von der Sonne, so daß entgegen dem Entropiegesetz die Entstehung energiereicherer Formen und Zustände möglich ist. So wurde auch die Entstehung des Lebens auf der Erde möglich, und die Entwicklung zu immer neuen Formen des Lebens begann. Dabei entstanden neben vielen anderen Organismen die Säugetiere, zu denen auch der Mensch gehört.

Alle Tiere können und müssen sich bewegen. Um diese Bewegungen zu steuern und zu kontrollieren entwickelte sich ein Nervensystem. Gleichzeitig entstanden Rezeptoren für die Umweltsignale, also Sinnesorgane.

So konnte auf bestimmte Umweltsignale mit Reflexbewegungen reagiert werden. Die Entwicklung hat günstige Verhaltensmuster im Erbgut gespeichert. (Instinkte)

 Funktionen des Gehirns: 

Bei manchen Tieren ging die Entwicklung weiter. Säugetiere entwickelten ein zentrales Nervensystem(Gehirn), das vielfältige weitere Reaktionen ermöglichte.

Struktur und Stoffwechsel des Gehirns sind gut erforscht. Unklar  ist bisher seine Funktionsweise.

Drei Grundfunktionen sind erkennbar:

1. Das Bewußtsein steuert und kontrolliert die Aktionen und Reaktionen des Organismus. Ohne Bewußtsein, z.B. im Schlaf oder bei einer Betäubung, ist keine kontrollierte Bewegung möglich. Alle Säugetiere haben in diesem Sinne ein Bewußtsein.

2. Die Sinnesorgane leiten ihre Reize ins Gehirn. Dieses ist also ein “Monitor“ für die Umweltinformationen. Das Bewußtsein bewertet sie im Sinne der Überlebenserfordernisse und reagiert dementsprechend.

3. Die dritte Hauptfunktion ist das Gedächtnis. Wer aus Erfahrungen lernen will, muß sie speichern können. Die Umweltsignale werden nach entsprechender Bewertung im Gedächtnis aufbewahrt, und zwar mit ihrer Wichtigkeit oder Bedeutung. Wiederholungen  und große Bedeutung sind besonders einprägsam und hinterlassen im Gehirn Spuren, die kurze oder längere Zeit bestehen bleiben.  Damit ist das Bewußtsein in der Lage, neue Informationen der Sinnesorgane mit den gespeicherten Wertungen zu vergleichen und somit schneller und optimaler zu reagieren.

Nicht nur das unmittelbare Verhalten wird vom Bewußtsein gesteuert. Das Aufrufen assoziierter Gedächtnisinhalte ermöglicht es, vorab die Ergebnisse eigener Aktionen zu ermitteln und zu bewerten. Hier hat das Denken seinen Ursprung.

Die gespeicherten Informationen und Wertungen existieren im Gehirn in Form von Strukturen im neuronalen Netzwerk. Diese Strukturen sind die Informationsträger. Die ins Bewußtsein gerufenen Informationen sind virtuell, also qualitativer Natur.

Diese Aussagen gelten für alle Tiere mit einem zentralen Nervensystem(Gehirn), insbesondere aber für die Säugetiere, zu denen auch der Mensch gehört. Die Informationsverarbeitung im Gehirn  geschieht auf der Grundlage materieller Strukturen im Gehirn, aber im Bewußtsein bestimmen die Informationen in ihrer qualitativen Bedeutung das Denken und die Verhaltensentscheidungen. Die Naturwissenschaften, die alles  messen und berechnen wollen, haben diesen qualitativen Bereich bisher wenig beachtet und der Fehldeutung mit „Geist“ und „Seele“ überlassen.

 Das Unterbewußtsein

 Nicht nur das Bewußtsein entscheidet über die Aktivitäten des Organismus.

Auch das Unterbewußtsein übt seinen Einfluß auf das Verhalten aus. Hierbei handelt es sich um die im Erbgut überlieferten Verhaltensmuster, die noch aus der Entwicklungsphase stammen bevor das zentrale Nervensystem entstand. Es ist auch nicht auszuschließen, daß auch heute noch bewährte Verhaltensweisen neu im Erbgut verankert werden.

So wie der Körperbau eines Menschen  individuelle Unterschiede aufweist, so kann auch das Gehirn unterschiedlich vorstrukturiert sein. Verschiedene Begabungen haben hier ihre Erklärung, aber auch die vererbten Verhaltensweisen sind in dieser Weise im Gehirn schon bei der Geburt vorhanden. Ein Beispiel ist der Fluchtreflex, der in plötzlichen Gefahrensituationen zur Panik führt. Besonders ausgeprägt ist das Sexualverhalten einschließlich der Nachwuchspflege, was zum Überleben der Art besonders wichtig ist. Untersuchungen an eineiigen Zwillingen haben gezeigt, wie viele Verhaltensmuster genetisch bedingt und vererbbar sind.

Das Unterbewußtsein speichert auch die Wertungen wichtiger Erfahrungen, deren Einzelheiten bereits aus dem Gedächtnis verschwunden sind. Hat ein Kind schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht, so wird die Abneigung gegenüber Hunden auch noch bestehen bleiben, wenn der Mensch sich schon nicht mehr an die früheren Ereignisse mit Hunden erinnern kann.

Schließlich übernimmt das Unterbewußtsein auch die Kontrolle über Routineprozesse. Ein Klavierspieler muß zunächst jede Note bewußt in eine Fingerbewegung umsetzen. Ist das oft genug geschehen und geübt worden, kann der Klavierspieler dieses Stück „wie im Schlaf“ spielen, also ohne bewußte Fingerbewegungen. Dem Bewußtsein bleibt nur noch die „Oberaufsicht“.

 Die Sprache als Symbolsystem zur Verständigung:

Die in Gemeinschaften lebenden Tiere verständigen sich untereinander

- optisch durch Gesten,

- akustisch durch Laute und

- auch die Düfte spielen dabei eine Rolle.

Gesten, Laute und Düfte haben in einer Tiergemeinschaft eine bestimmte Bedeutung. Die Verständigung mit ihrer Hilfe setzt voraus, daß diese Bedeutung bekannt ist (erlernt oder ererbt als Instinkt). Es handelt sich immer um Signale mit Symbolcharakter.

Die Menge dieser Symbole ist bei den meisten Säugetieren nicht sehr groß, was auch die Verständigungsmöglichkeiten begrenzt.

Der Mensch hat dagegen die Möglichkeit, seine Lautäußerungen vielfach zu variieren, und so konnte sich die Sprache als Symbolsystem entwickeln.

Die täglich benutzten Wörter der Umgangssprache erlernt jedes Kind, aber abstrakte Begriffe oder Fachbegriffe sind nicht jedem in ihrer Bedeutung bekannt. Jeder Mensch erlernt solche Begriffe in einem anderen Zusammenhang und deutet sie etwas anders bis hin zur falschen Deutung. Die Sprache ist also ein höchst unvollkommenes Verständigungsmittel. Zahlreiche Wörterbücher aller Art versuchen zwar, die Sprache eindeutiger zu machen, aber wer beherrscht schon die 500000 Wörter,  die in Wahrigs Wörterbuch der deutschen Sprache aufgeführt sind. Immer wieder gibt es  neue Wortschöpfungen  und Wortübernahmen aus fremden Sprachen, deren Bedeutungen vielen Menschen unklar bleiben. Das sind beste Voraussetzungen für immer neue Diskussionen, die auch noch durch individuelle Wertungen der Sachverhalte gefördert werden.

Die Worte, die mit ihren individuellen Wertungen in unserem Gehirn gespeichert sind, spielen eine wichtige Rolle beim Denken. Das Bewußtsein kann die Worte und andere Gedächtnisinhalte gezielt aufrufen und zu Aussagen und Schlußfolgerungen zusammenfügen. Das geschieht im Sinne der Verhaltensoptimierung. Da die Gedächtnisinhalte und die Wertungen ungenau oder fehlerhaft sein können, kommt es beim Denken immer wieder zu Irrtümern und Fehlern, auch dann, wenn die besten Regeln der Logik beim Denken befolgt werden.

Logik und Mathematik:

Die Logik ist abgeleitet aus der Folgerichtigkeit des Geschehens in der Natur. Die konsequenteste Logik finden wir in der Mathematik. Aufbauend  auf einfachen  aber eindeutigen Zahlen ist dabei ein formallogisches System zur Beschreibung  quantitativer Sachverhalte und Vorgänge entstanden. Nicht nur in Physik und Technik ist die Mathematik ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden. Richtige Ergebnisse  von Berechnungen sind aber von drei Voraussetzungen abhängig. Erstens müssen die Ausgangswerte (Zahlen, Meßwerte)  einer Berechnung richtig oder zumindest ausreichend genau sein. Zweitens muß für eine konkrete Aufgabe der geeignete mathematische Lösungsweg gefunden werden, und drittens müssen die Ergebnisse mit der Realität übereinstimmen.

Diese Kriterien gelten auch für die formale Logik. Der Unterschied zur Mathematik besteht darin, daß an Stelle eindeutiger Zahlen jetzt Worte eingesetzt werden, deren Bedeutung oftmals nicht eindeutig ist, sondern einer individuellen Wertung unterliegt.  Das entscheidende Kriterium für die Richtigkeit einer Berechnung oder einer logischen Schlußfolgerung ist die Übereinstimmung mit der Realität(Natur).gzwar die Lehre venken, aber s Denken richtet sich nicht von selbst nach der Logikgisches Denken ist keine natürlichetion des Gehirns, sondern muß erst rlernt werden. Der Erfolg dabi ist oftmals sehr      

Das Denken geschieht auf der Grundlage individueller Wertungen. Dabei entwickelt sich  dann eine individuelle Logik.  Es ist ein Irrtum vieler Autoren und Redner anzunehmen, daß ihre Worte auch so verstanden werden, wie sie  gemeint sind.

Die Freiheit der Gedanken

Das Bewußtsein kann  im Gehirn die gespeicherten Gedächtnisinhalte nach Bedarf aufrufen und beliebig miteinander kombinieren, wobei Logik und Naturgesetze beachtet aber auch ignoriert werden können. Auch die Fantasie ist auf das vorhandene Wissen angewiesen, was jedoch beliebig variiert werden kann. Das Denken beschränkt sich also immer auf das gespeicherte virtuelle Weltbild. Es wird getrieben von der Notwendigkeit, Verhaltensentscheidungen zu treffen und wird darüber hinaus beeinträchtigt durch die Fülle von Informationen, die vor allem in sprachlicher Form von außen das Denken beeinflussen.  Kommerzielle, politische und ideologische (auch religiöse) Werbung versucht, mit tendenziösen Informationen das Verhalten der Menschen nicht immer zu ihrem Vorteil zu beeinflussen. Die Freiheit der Gedanken eines Menschen ist also vielen Einschränkungen unterworfen. Der verbleibende Spielraum der Gedankenfreiheit sollte deshalb um so besser genutzt werden. Das gilt auch für das Handeln des Menschen, das nicht nur in der realen Umwelt auf konkrete Grenzen des Machbaren stößt, sondern auch von der Freiheit der Gedanken abhängt. Bei den Handlungsabsichten können nur die Bedingungen berücksichtigt werden, die bekannt sind, und man kann nicht alles machen, was man will, sondern nur, was in der reellen Welt auch machbar ist. Der Mensch besitzt viel Freiheit  im Denken und Handeln, aber diese Freiheit ist  begrenzt. Der absolute Freiheitsbegriff ist ein Irrtum, wird aber politisch und sozial immer wieder mißbraucht. 

  Die menschliche Gesellschaft und die Rolle des Einzelnen. 

Die menschliche Gesellschaft besteht aus einer sehr großen Zahl von einzelnen Menschen, von denen jeder trotz vieler Gemeinsamkeiten ein Unikat ist. Alles was in dieser Gesellschaft geschieht, geschieht durch das Denken und Handeln einzelner Menschen. Jeder Mensch lebt sein eigenes Leben. Er denkt und handelt nach seinen eigenen Lebensinteressen. 

Alles was im gesellschaftlichen Rahmen passiert, geschieht durch das bewußte Handeln einzelner Menschen. Dieses Handeln wird vorher gedacht, und die Verhaltensentscheidung ist wesentlich abhängig von den im Gehirn und Bewußtsein vorhandenen Voraussetzungen für das Denken.

Kriminelle, gläubige Christen und konsequente Realisten werden nicht geboren, sondern  erzogen. Dabei spielt neben der Familie und der Schule das soziale Umfeld die entscheidende Rolle. Tiere betreuen ihren Nachwuchs bis er lebenstüchtig ist. Die menschliche Gesellschaft sollte sich mehr dafür interessieren, welches Weltbild, welche Motivation und welche Wertmaßstäbe den jungen Menschen vermittelt werden. Familie und Schule sind dazu nur noch teilweise in der Lage. Das soziale Umfeld mit schlechten Vorbildern und überwiegend negativen Einflüssen durch die Massenmedien besorgt den größeren Teil der Erziehung. Der Einfluß  und die Wirkung von Informationen auf das Denken und Handeln auch der erwachsenen Menschen  sollte besser berücksichtigt werden.

Die rein empirische Psychologie urteilt nach statistischen Verhaltenswahrscheinlichkeiten, kann manches erklären, kaum etwas bewirken und versagt im konkreten Einzelfall.

Erziehung ist eine gesellschaftliche Hauptaufgabe und eine Voraussetzung für eine positive gesellschaftliche Entwicklung.

Unsere gegenwärtige von sozialer Ungerechtigkeit geprägte und an einem falschen Freiheitsbegriff orientierte Gesellschaft hat diese Aufgabe sträflich vernachlässigt. Die Zukunft wird zeigen, ob die schwerwiegenden Konflikte und Konfrontationen, die gegenwärtig das Zusammenleben der Menschen und der Völker beeinträchtigen, abgebaut werden können, oder ob deren Zuspitzung zu einer menschheitsbedrohenden Auseinandersetzung mit modernen Waffen führen kann. Zur Lösung dieser globalen Aufgaben wird sich die menschliche Gesellschaft grundlegend verändern müssen. Von ihrer bewussten Gestaltung auf der Grundlage eines realistischen Weltbildes hängt auch ihre weitere Zukunft ab.

 Gerd Blankenstein, 2006